Herbsttagung 2018

"Der Träumer schämt sich im Angesicht der Wirklichkeit:
Leben statt Überleben!"


Die Beschäftigung mit Neid und Eifersucht in unserer letzten Herbsttagung führte uns zur Scham, einem Gefühl, das uns bis in die Nähe eines körperlichen Schmerzes bringen kann. Für Freud war die Scham die nahezu biologisch begründete Hemmung des kindlichen Exhibitionismus. Aus diesen Gegenspielern von Sich-Verbergen und Sich-Zur-Schau-Stellen entstehen die hemmungslose Unverschämtheit wie auch der beschämte Rückzug.

 

Die Scham zwingt sozusagen dem Exhibitionismus eine Form auf, die das Sich-Zeigen mit kalkuliertem Risiko ermöglicht. Jeder weiß, wieviel Ertragen von unangenehmen Gefühlen notwendig ist, bevor ein Auftreten auf noch so kleiner Bühne gelingen kann, immer mit der Gefahr der Arbeitshemmung verbunden, die bereits das erste Schulreferat zu einem Risiko werden lässt: Denn ein Scheitern in der Öffentlichkeit verarbeitet man nicht so leicht, besonders wenn man dazu neigt, seine eigene Identität über Schuld und Scham nachspüren zu wollen.


Die Scham setzt immer einen Dritten und eine wirkliche oder vorgestellte Öffentlichkeit voraus. Die Beschämung eines Kleinkindes scheint sogar in der Entwicklung der Psychose eine Rolle zu spielen. Die Scham ist vielleicht ein soziales Gefühl oder ein soziales Korrektiv. Voraussetzung ist immer die Anwesenheit einer anderen Person, die die Wirklichkeit darstellt, und damit auch den Schmerz begründet, der darin liegt, dass man wirklich selten einer Meinung ist.


Die Scham scheint uns zu zeigen, was wir uns zutrauen können, besonders, was wir von unseren Träumen zeigen wollen. Zumindest ist es nicht das, wovon wir träumen, was uns den Schlaf raubt.


Der Vortrag über Epigenetik kann uns zeigen, dass nicht nur die Verletzung, das Trauma, vererbt werden kann. Auch die Liebe ist vererbbar, wodurch wir zumindest eine minimale Spur in der Evolution zurücklassen können.




In der GROSSGRUPPE, in der alle Mitglieder der Konferenz versammelt sind, wird die Orientierung mit einer Gruppe ohne ein vertrautes Gegenüber verlangt. Es wird erlebt, wie Angst und Unsicherheit entsteht und aufgelöst wird.


In der KLEINGRUPPE treffen sich die gleichen Teilnehmer mit dem gleichen Gruppenleiter. In diesem stabilen Milieu kann das Handeln, Denken und Fühlen während des Konferenzgeschehens aufgearbeitet werden.


In der ANWENDUNGSGRUPPE wird die berufs- und familienbezogene Arbeit der Mitglieder untersucht, wobei die eigenen Probleme mit anderen Mitgliedern diskutiert werden. Dies führt zu neuen Lösungsansätzen.


In der LERNGRUPPE sitzen sich Konferenzteilnehmer und Stab gegenüber und sprechen über die Inhalte und Probleme der Konferenz.


Eingeladen sind alle Interessierten an der Arbeit der DG, Personen, die in ihrem beruflichen Tun mit Gruppen umgehen, sowie diejenigen, die ihre eigene therapeutische Erfahrung beleben möchten.

 

Dr. phil. Rolf-Arno Wirtz