Frühjahrstagung 2018 - Thema und Statement

"Wofür lohnt es sich zu sterben, wofür lohnt es sich zu leben?"
Erstickt die Begeisterung im Alltag?


Fehlt nur noch die Frage, wofür es sich lohnt zu töten. Gibt es überhaupt Antworten darauf, die jenseits eines pubertären Zweifels, einen Platz in dieser Welt zu finden, liegen, die jenseits einer religiösen, symbolischen Überhöhung eine überzeugende Kraft haben oder die jenseits macht- und wirtschaftspolitischer Kalküle dem Menschen eine Würde lassen?

 

Den Wert eines Lebens kann man sicherlich berechnen, indem man den finanziellen Aufwand betrachtet, den z.B. eine Gesellschaft zur Reduzierung von Verkehrstoten aufbringt. Man wird zu sehr unterschiedlichen Werten kommen.

 

Die Frage, wofür es sich lohne zu sterben, ist ja nahezu absurd, da ein Lohn in der Regel nach erfolgter Leistung erhalten wird. Da kann die Antwort nur religiös überhöht sein, wie Selbstmordattentäter diese geben. Oder der Lohn liegt in dem beruhigenden Selbstgefühl, keine Last mehr sein zu wollen für die Nächsten.

 

Die Predigt vom positiven Denken, vom Glauben an die glückliche Wendung aller Dinge wird überall vernommen, aber manchmal hilft die Bitternis weiter oder auch die Kraft des negativen Denkens. Viele haben im Denken eines E.M. Cioran wieder Kraft und Begeisterung gefunden, wenn er „Vom Nachteil, geboren zu sein“ spricht und aufzählt, was wir alles durch die Geburt verloren haben.

 

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist zumeist schon die Folge eines verletzten Lebensgefühls, und viele mögen den Sinn nach einem unseligen Beginn oder unseligen Ereignissen darin sehen, das Leben und die Welt besser zurückzugeben und zurückzulassen, als wie wir sie geschenkt bekamen und vorgefunden haben. Davon etwas zu erreichen, mag zu einer persönlichen Zufriedenheit führen und auch dem Alltag wieder Begeisterung beimengen.

 

Dr. Rolf-Arno Wirtz